Polittalks sollen das Interesse von Jungwählern wecken

Veröffentlicht am Jun 7 2015 - 9:34pm von David

Polittalks1

Das Interesse von jungen Schweizern an politischen Fragen nimmt in dramatischer Weise ab: Bei den Parlamentswahlen im Jahr 2011 gingen aus der Gruppe der 18- bis 25-Jährigen ganze 32 Prozent an die Urne, um dort ihre Stimme abzugeben. Die Jungparteien wollen dieser Entwicklung nicht mehr tatenlos zusehen und haben gemeinsam mit der Webplattform „Easyvote“ ein Projekt lanciert, dessen erklärtes Ziel es ist, die Wahlbeteiligung auf 40 Prozent zu erhöhen.

Der Name des Projekts („Polittalk“) deutet an, worum es den Politikern geht: Sie sehen das persönliche Gespräch als wichtigsten Antriebsfaktor für das Interesse an der Politik an. Das Konzept sieht vor, 200 Diskussionsrunden an Schulen durchzuführen und Jungwähler so an politische und gesellschaftliche Themen heranzuführen. „Easyvote“ ist ein Projekt des Dachverbandes Schweizer Jugendparlamente (DSJ), der in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein Jugendparlamente fördert.

Im Zentrum steht die Interaktion

Klassische Podiumsdiskussionen, bei denen Politiker verschiedener Couleur auf offener Bühne diskutieren, stehen bei jungen Menschen nicht gerade hoch im Kurs: Nur die wenigsten bringen das Interesse auf, um derartige Veranstaltungen zu besuchen oder sich Aufzeichnungen im TV bzw. im Internet anzusehen. Aus diesem Grund sollen die Jugendlichen die Möglichkeit bekommen, mit ihren Smartphones Einfluss auf die Talkrunden zu nehmen und über Sachfragen abzustimmen.

Schon 10.000 Downloads

In einer Medienmitteilung von Easyvote heisst es, dass die kostenlose App bereits mehr als 10.000 Mal heruntergeladen worden sei. Die Plattform setzt auf ein jugendlich wirkendes Design und bietet aktuelle Informationen zu Abstimmungsvorlagen. Darüber hinaus werden über die Webseite Wahlhelfer angeworben, die aktiv dabei mithelfen sollen, zusätzliche Wähler in der eigenen Altersgruppe zu gewinnen.

Wie dem Portal zu entnehmen ist, sollen schwerpunktmässig Jugendliche angesprochen werden, die grundsätzlich an Politik interessiert sind, sich jedoch noch nicht engagieren. Bei denjenigen, die schon mehrmals an die Urne gegangen sind, ist das Mobilisierungspotenzial laut Easyvote am grössten: Bei Wahlen seien dies 56 Prozent der 18- bis 25-Jährigen, bei Abstimmungen sogar 76 Prozent.

Das Grundproblem bleibt

So gut die Idee hinter dem „Polittalk“-Projekt auch klingen mag – die Ursachen der geringen Wahlbeteiligung vermag keine noch so sorgfältig geplante Medienkampagne zu beseitigen. Eines der Grundprobleme des derzeitigen Systems ist zweifellos, dass der Schulunterricht noch immer in der altbekannten Form stattfindet: Vorne der Lehrer, hinten die (zumeist schweigenden) Schüler. So werden die Jugendlichen im Laufe der Zeit an einen Punkt gebracht, an dem sie keine Fragen mehr stellen und den Schulstoff einfach aufnehmen, anstatt sich kritisch mit den Inhalten auseinanderzusetzen.

Lassen Sie eine Antwort

*